Stucka 87

Dieser Baubericht wurde in der FMT Ausgabe 12/2007 veröffentlicht

 

Letzten Sommer stellte ich mir auf dem Flugplatz beim Fliegen die Frage, welches Modell ich im kommenden W inter bauen sollte. 

 

Es musste ein Warbird, sollte etwas Besonderes und nicht auf jedem Flugtag zu sehen sein. Voraussetzung: Der Motor, ein 3W 60 Heindl (noch übrig), eine Spannweite um die 2,5m, ein starres Fahrwerk und das ganze Projekt sollte in Holz entstehen. Nachdem ich das Web nach passenden Fliegern durchsucht hatte, reifte der Entschluss, eine JU87 B Stuka sollte es werden. Ich nahm dann Kontakt mit Franz Glockner auf (Scaleairplanes) und ließ mir den Bauplan der Stuka sowie die GFKMotorhaube, Radschuhe sowie die Kabinenhaube schicken. Im August 2006 kamen die Teile heißersehnt bei mir an und wurden gleich in Augenschein genommen.

 

Sofort viel auf, dass alles ein bißchen sperrig würde. Keine geteilte Fläche, kein abnehmbares Höhenleitwerk. Im Amiland ist ja in dieser Hinsicht alles einfacher, mehr Platz und dickere Autos, aber wie soll man eine 2,54m spannende Fläche mit Knickflügeln und starren, mächtigen Fahrwerk transportieren und lagern? Also klar war, die Fläche mußte teilbar, das Höhenleitwerk abnehmbar werden. Meine erste Idee war, die Flügel in 3 Teilen zu bauen: ein abnehmbares Mittelstück mit dem Fahrwerk und die beiden links und rechts aufsteckbaren Flächenhälften. Nach längerem Nachdenken musst ich diesen Plan verwerfen, denn bedingt durch den 9°Knick und dem wenigen „Fleisch“ für die Steckung im Mittelstück, würde diese Konstruktion zu aufwändig werden.

 

So wurde die Fläche in der Mitte teilbar geplant mit einem 40mm und 30mm Steckungsrohr (hatte ich noch), jeweils einem Dübel pro Fläche vorne, um dann komplett hinten mit dem Rumpf verschraubt zu werden, also so, wie wir es vom klassischen Tiefdecker her kennen. Dann habe ich mal im Kopf hochgerechnet wieviele Servos ich verbauen müßte und kam auf 13 Stück. Das waren viel zuviel. Kalkuliert man nur 50g pro Stück, so würden alleine die Servos mit 650g zu Buche schlagen. Es mussten also weniger werden, da ich den Flieger mit einem maximalen Abfluggewicht von 12 kg bauen wollte. Alle Rippen und Spanten wollte ich in 3mm Pappelsperrholz machen und zur Gewichtsoptimierung ausbohren. Nun standen die Eckdaten fest. Nachdem unser Flugtag am letzten Augustwochenende vorbei war, gings in den Keller, im Frühjahr sollte das Teil ja fertig sein. Zuerst habeich das HLW  mit Pappelsperrholzrippen aufgebaut, die Steckung aus je einem 10mm und 6mm Kohlerohr eingeharzt und die Endleiste aus 3mm Pappel hochkant mit Weißleim verklebt. Das ganze wurde auf dem Rücken aufgebaut, da so die Rumpfaufnahme gleich mit eingebaut werden konnte.

Man sieht auch die beiden 6mm Bohrungen im Mittelstück, um später die innenliegende HöhenruderAnlenkung zu lagern. Das Ganze wird dann mit 1,5mm Balsa beplankt und danach die beiden HLW Dämpfungsflächen vom Mittelstück getrennt. Als nächstes kam der Rumpf an die Reihe. Spanten und Flächenauflage aus Pappel ausschneiden und die beiden Seitenwände des Motordoms aus 3mm Flugzeugsperrholz aussägen, mit den beiden „Crunches“ (Hilfsholmen) auf einer Helling aufbauen und dem Ganzen mit 24 Stück 3x6 mm Balsagurten die Form geben.

Jetzt konnte das unbeplankte Höhenleitwerk mal probesitzen.

Um die Geometrie des Modells exakt vermessen zu können, musste als nächstes das Flächenmittelstück mit den charakteristischen StukaKnick gebaut werden. Mit dem linken Seitenteil wurde begonnen, dieses sollte die 4 zentralen Servos (Quer, Landeklappen, Sturzflugbremsen und Bombenabwurf) sowie den 12Volt Versorgungstecker für den Landescheinwerfer aufnehmen.

Mit dem rechten Mittelstück der Fläche kann man die Steckung und die Zunge für die hinteren 6mm Schrauben der Flächenbefestigung erkennen. Die Servos und die Zunge schieben sich in die rechte Fläche.

Nun liegt die Fläche komplett erst unbeplankt auf dem Bautisch. Beplankt habe ich diese mit 2mm Balsa.

Nun kamen die Sturzflugbremsen mit Halterung an die Reihe. 3mm Pappel in der Mitte und 2,5mm Balsa oben und unten aufgeklebt und in Form geschliffen. Die Anlenkhebel sind für alle Ruder aus 2mm GfK Platten gefertigt.

Der Schalldämpfer ist ein Bausatz für den ZG 62 von TC wurde mit Silberlot hartgelötet, mit 2 Stück 3mm Stahldrähten an der Oberseite versehen und diese im Motordom in 4 kurzen Stückchen schwarzen Spritschlauch gelagert. Ist eine elastische und in kürzester Zeit einund auszubauende Lösung. Rechts davon die mechanische 12Volt Sirene und die 10mm Röhrchen zur Motorhaubenhalterung am Rumpf (5 Stück). Die Motorhaube wird von vorne nur mit einer 4mm Schraube inde des 10mm Kohlerohr eingeschraubt wird.

Um den 60er unter die Haube zu kriegen mußte der Vergaser bis hinter den Zylinderkopf umgelenkt und die hintere Schraube zur Auspuffkrümmerbefestigung durch den Krümmerbogen gebohrt werden.

Der Zylinderflansch habe ich ausgebüchst, in den Krümmer ein Messingrohr mit Hartlot eingelötet, um mittels einer 3mm Stahlschraube die beiden Teile zu verbinden.

Das HLW und SLW ist inzwischen beplankt und angepasst. Vor dem Beplanken des Rumpfes habe ich die JU87 komplett mit Fläche, Höhen und Seitenleitwerk vermessen, um noch Korrekturen vornehmen zu können. Ich weiß, viele bevorzugen nach dem Beplanken einen GFKÜberzug, die Festigkeit des Modells wird dadurch allerdings nicht erhöht, sondern nur eventuell die Druckfestigkeit der Oberfläche. Ich habe aber auf Altbewährtes zurückgegriffen, um Gewicht zu sparen. Die Beplankungen wurden verschliffen, mit Porenfüller gestrichen, nochmals verschliffen, mit Japanpapier bespannt und mit Spannlack gestrichen.

 

Dann wurde die Stuka „tapeziert“, d.h. aus Packpapier die Blechplatten imitiert passend geschnitten und in ca. 0,5 mm Abstand mit verdünntem Weißleim aufgebracht. Danach wieder alles mit verdünntem Spannlack gestrichen und mit 2mm Lithoblechen mit Nieten (diese von hinten mit einem 2mm Nagel reingedrückt) und dann mit Kontaktkleber aufgeklebt. Viele warnten mich, man soll wegen der verminderten Empfangsleistung nicht mit Blechen arbeiten dieses ist aber nicht richtig, denn dann würden bei den Großen sämtliche Kommunikationssysteme auch nicht funktionieren. Der Reichweitentest mit laufenden Motor zeigte, dass trotz innenliegender Antenne die Reichweite genauso ist wie bei meinen anderen Modellen.

Ok, nun wurden die Nieten mit verdünntem Weißleim aufgespritzt, dies hat viel Zeit und Nerven gekostet, ist aber die preiswerteste Lösung und sieht nach dem Lackieren super aus. Insgesamt wurden ca. 3.800 Stück mit einer normalen Spritze produziert.

In die Kabinenhaube wurden zwei 2,5 mm starke Stahlbügel eingeharzt, um als Überschlagschutz zu fungieren, diese werden in vier 3mm Messingröhrchen im Rumpf gelagert. Ist superstabil, es vibriert nichts, nur 4 kleine Schrauben halten die 50 cm lange Kabinenhaube am Rumpf fest. Auch bei der Haube wurden die Streben komplett mit Lithoblechen und Nieten angedeutet. So, jetzt ging es ans Lackieren, als Farbe kamen AcrylAbtönfarben aus dem Baumarkt zum Einsatz. Diese wurden entsprechen den RLM (ReichsLuftfahrtMinisterium) Tönen gemischt, mit 50% Wasser verdünnt und aufgespritzt.

 

RLM 04gelb, RLM 65Hellblau, RLM 70Schwarz Grün und RLM 71Dunkelgrün. Auch sind alle Hoheitsabzeichen und die Kennung so entstanden. Die Abzeichen wurden mittels Grafikprogrammen mit dem PC skaliert, gedruckt und aufgeklebt. 

Nachdem alles lackiert war, wurde der komplette Flieger mit wasserverdünnbarem, seidenmattem Klarlack aus dem Baumarkt gespritzt. Dies ist nur bei Benzinern möglich, bei Methanolern muß man 2K-Lack nehmen. Die Kosten für alle Farben waren unter 25 €. Nun wurde alles eingebaut, Servos, Motor, Sirene usw. und der Schwerpunkt bestimmt. Die Empfängerakkus mussten im Bereich der Flächenverschraubung eingebaut werden, Zündund 12Vakku sind auf dem Motordom plaziert. Ich musste keine Gramm Blei zum Auswiegen des Schwerpunkts verwenden, nur in der Spitze der Bombe, denn sonst würde die Bombe nicht mit der Spitze nach unten fallen. Doch jetzt nachdem alles eingebaut war, kam der spannendste Moment, die Waage! Sie zeigte exakt 11048g mit Bombe, dies beruhigte mich, da ich ja noch das Cockpit ausbauen will (aber erst nach den ersten Flügen). So komme ich jetzt „naß“ (getankt) auf ein Abfluggewicht von ca. 11,4 kg, da nur ein 400ccm Tank eingebaut ist.

 

Hier noch einige Details:

Die Betankung mit dem Tankdeckel und aufgestecktem Spritschlauch.

Die Scheinwerferbefestigung der 20W  Halogenlampe

Die Bombe mit dem Propellerschutz

 

Dann gings das erste mal mit der JU87 B2 auf unseren Modellflugplatz des FVL Frankfurt. Vollgetankt für den ersten Motorlauf nach der Reparatur des 3W 60. Die Kurbelwelle war nach meinem letztjährigen Senkrecht-Einschlag krumm, bei 3W gibt es keine Ersatzteile mehr, so hat diese ein Motorfreak aus unserem Verein gerichtet. Ich habe eine 22x10 Dreiblatt Holzluftschraube von Metts aufgeschraubt, angesaugt und er lief wieder mit einer nie gekannten Laufruhe. Er dreht die Latte mit leicht fetter Einstellung mit 5300 Upm. Das heißt, mit diesem Abfluggewicht hat die Stuka Leistung ohne Ende. Jetzt warteten alle gespannt auf gutes Wetter, damit der Jungfernflug stattfinden konnte. Am 15.04.2007 war es endlich soweit, das Wetter war OK, alle Verbindungen, Anlenkungen sowie Verschraubungen zum x-ten Male gechecked und konstanter Wind mit 20Kmh, ideale Bedingungen für den Erstflug. Also, volltanken, Zündung ein und angesaugt. Sofort erwachte der Alte 60er zum Leben, nochmals Kontrolle aller Ruderfunktionen (geht auch alles richtig herum?), dann rollte ich langsam zur unserer 70x 35m Asphaltpiste. Sehr viele Modellflugkollegen waren gekommen um mit Kameras bestückt das „Spektakel“ zu verfolgen. Am Anfang der Piste nochmals Vollgas und Checken der Ruder.

 

Dann schob ich ganz langsam das Gas rein, nach 5m hob sich der Schwanz und ohne viel zu „ziehen“ hob die JU-87 im 30 Grad Winkel mit nur Viertelgas ab. Nun beschleunigte ich auf Halbgas, Linkskurve und austrimmen. Ganz leicht links und einen Zacken tief trimmen, die Stuka lag wie ein Brett in der Luft. Die Ruderausschläge waren OK,  präzise und exakt die Ruderwirkungen.  Jetzt aushungern und „stallen“, super, sie steht in der Luft, nimmt die Nase runter, holt Fahrt und lässt sich stabil abfangen, ohne jegliche Tendenz zum Abschmieren. Dann mit Lande- Klappen erst halb, dann voll ausgefahren- Null Problem, nur ganz leicht dabei ziehen, da ich „Tief“ beigemischt habe. Die Sturzflugbremsen raus, die Sirene geht an, wie programmiert, die JU-87 lässt sich genauso perfekt weiterfliegen. Ein paar langsame Überflüge, mit und ohne Klappen und Landescheinwerfer (wird per Switch am Klappenservo beim leichten Ausfahren aktiviert) damit auch die vielen Fotografen was zu tun haben und dann Rolle und Looping, alles gross und sehr weiträumig geflogen, ein tolles Flugbild auch in allen Aufwärtsbewegungen Power genug, ein 38er Motor hätte auch ausgereicht. Nun gings zur Landung, Klappen voll raus, Gas raus, Nase 3 Grad nach unten, ganz ruhig liegt der Vogel, trotz des nun etwas stärkeren und nun böigen Windes. Ich fliege über unsere Grasbahn Richtung Asphaltpiste an, die Nase ist immer noch unten, in 50cm Höhe abfangen und „oh Gott“, die Kiste will nicht runter, schwebt immer weiter, schnell Höhe nachgelassen, 3 Punktlandung, wie beim Original vorgeschrieben. Butterweich auf der Asphaltbahn aufgesetzt rollt meine Stuka nun aus. Sofort den Motor abgestellt und natürlich erst mal die vielen Glückwünsche entgegengenommen.

 

Resumee:

 

Wer den Aufwand ein nicht alltägliches Modell zu bauen nicht scheut, wird für all die Zeit, Nerven und

vielen Stunden im Keller voll entschädigt. Ein traumhaft schönes Flugbild eines etwas anderen

Warbirds, der JU-87 B2 STUKA.

Daten der Stuka:

Länge: 2050 mm

Spw:    2540 mm

Gewicht: 10800 g ohne Bombe

Gewicht: 11000 g mit Bombe

Gewicht: 11400 g mit Bombe und getankt

Cockpit: Noch nicht ausgebaut, wird aber noch gemacht. 

Plan von Ziroli

GFK Motorhaube, Radschuhe und Kabinenhaubealles von Franz Glockner. 

Alle Rippen und Spanten 3mm Pappelsperrholz ebenso Holme, und Endleisten. Alle ausgebohrt.

Motordom Seitenteile und Kopfspant 3mm Flugzeugsperrholz mit 80 g Gewebe

Gurte 3x 6 Balsa

Beplankungen 2mm Balsa SLW und HLW 1,5 mm

Alles mit Porenfüller 1x gestrichen

Bespannung 25g Japanpapier mit verdünntem Weissleim aufgebracht, dann mit verdünntem

Spannlack 2 mal gestrichen.

Dann Packpapier mittels verdünntem Weissleim die „Platten tapeziert und zwischen den Stössen

1mm Luft gelassen Nieten mit der Spritze mit verdünntem Weissleim aufgespritzt und dann mit

verdünntem Spannlack 2 mal gestrichen.

Dann die Lithobleche mit Pattex aufgeklebt. 

 

Lackierung;

Farbe: Abtönfarbe aus dem Baumarkt mit 60% Wasser verdünnt und gespritzt.

Hoheitsabzeichen abgeklebt und mit Abtönfarbe gespritzt.

Alles mit Fussboden Versiegelung Seidenmatt gespritzt.

Gewicht aller Farben ca. 600g

 

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